Bereits heute stehen Krankenhäuser in Deutschland unter großem Druck. Weitere Milliardeneinsparungen durch das von der Bundesregierung geplante GKV-Sparpaket und damit einhergehende Kürzungen in der Klinikfinanzierung gefährden die Existenz vieler Häuser. Besonders sind freigemeinnützige Krankenhäuser von diesen Kürzungen betroffen. Sie dürfen nur begrenzt Rücklagen bilden und erhalten, im Gegensatz zu öffentlichen Kliniken, keine Ausgleichszahlungen durch die Kommunen.
Mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen der Krankenhausversorgung in der Region haben sich das St. Josef Krankenhaus Moers, das St. Bernhard Hospital Kamp-Lintfort und das Krankenhaus Bethanien Moers an einem Aktionstag, initiiert durch die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), beteiligt. Am Freitag, 12. Juni 2026 wurden dazu die Haupteingänge der jeweiligen Krankenhäuser symbolisch versperrt bzw. verengt. Betriebsleitungen und Mitarbeiter:innen informierten Besucher:innen und Patient:innen über die Hintergründe – das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, welches laut Aussage der Verantwortlichen für massive Einschnitte in der Krankenhauslandschaft sorgen wird.
Die symbolische Schließung der Krankenhauseingänge soll auf die vielerorts zu befürchtenden längeren Wege hinweisen, die die geplanten Einsparungen mit sich bringen. Neben dieser Aktion machten weitere Maßnahmen, wie großformatige Plakate, auf die Botschaft und die Belange der Krankenhäuser aufmerksam.
Im Krankenhaus Bethanien Moers standen etwa der Vorstand Dr. Ralf Engels, Mitglieder der Mitarbeitervertretung sowie weitere Bethanier:innen an einem Infostand Rede und Antwort für Patient:innen, Besucher:innen sowie Mitarbeiter:innen. Dr. Ralf Engels betont: „In Anbetracht der von unseren Politikerinnen und Politikern geplanten Maßnahmen stehen massive Einschränkungen für uns als Krankenhäuser, aber vor allen Dingen auch für unsere Patientinnen und Patienten zur Diskussion. Mehr denn je ist es jetzt Zeit, laut und deutlich aktiv zu werden.“
Auch das St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort, Einrichtung der St. Franziskus Stiftung Münster, beteiligte sich an der Protestaktion mit der symbolischen Absperrung des Haupteingangs von 11 bis 13 Uhr. Geschäftsführer Josef Lübbers und Pflegedirektor Clemens Roeling begleiteten die Aktion vor Ort und informierten über das GKV-Spargesetz und dessen mögliche Folgen für die Gesundheitsversorgung. „Die geplanten Einschnitte in Milliardenhöhe sind für viele Häuser nicht zu verkraften und somit ohne ausreichende Reserven existenzbedrohend“, warnt Regionalgeschäftsführer Dr. Conrad Middendorf. Josef Lübbers, Geschäftsführer des St. Bernhard-Hospitals, ergänzt: „Wer Krankenhäuser als kritische Infrastruktur einstuft und sie zugleich wirtschaftlich immer weiter unter Druck setzt, gefährdet zwangsläufig die Versorgungssicherheit, das Personal und die Sicherheit für Patientinnen und Patienten. Wenn hier nicht nachgebessert wird, drohen längere Wartezeiten, weitere Wege und nicht mehr korrigierbare Veränderungen in der Krankenhauslandschaft.“
„Wir als Krankenhaus sind Teil der Daseinsfürsorge. Unsere Aufgabe und unser Ziel ist es, auch in Zukunft, eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung für die Menschen in unserer Region sicherzustellen. Wir Krankenhäuser sind bereit, dazu notwendige Reformen mitzugehen. Das haben wir insbesondere in NRW mit der neuen Krankenhausplanung bereits gezeigt. Allerdings möchten und müssen wir an der Gestaltung beteiligt werden“, bekräftigt Mirja Hengstenberg, Geschäftsführerin des St. Josef Krankenhauses Moers und des St. Nikolaus Hospitals in Rheinberg.
Beispiellose Belastung für Krankenhäuser
Die geplanten Einschnitte haben eine weitreichende Dimension. Bundesweit sollen den Krankenhäusern durch die vorgesehenen Maßnahmen rund 4,6 Milliarden Euro entzogen werden. Gleichzeitig entfällt ab November der bislang gewährte Inflationsausgleich in Höhe von rund 4 Milliarden Euro. Insgesamt droht den Kliniken damit ab 2027 ein jährlicher Erlösverlust von etwa acht Prozent.
Besonders problematisch: Krankenhäuser können ihre Preise nicht eigenständig an steigende Kosten anpassen. Gleichzeitig schränken immer neue gesetzliche und regulatorische Vorgaben die wirtschaftlichen Handlungsspielräume der Einrichtungen erheblich ein.
Auswirkungen auf Versorgung und Patient:innen
Die Krankenhäuser warnen davor, dass die geplanten Kürzungen direkte Folgen für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region haben könnten, wie beispielsweise drohende Teilschließungen von Fachabteilungen. Für Patient:innen würde dies längere Wege zu medizinischen Angeboten, erhöhte Wartezeiten und längere Wartelisten bedeuten.
Arbeitsplätze und Tariflöhne in Gefahr
Die vorgesehenen Kürzungen gefährden perspektivisch Arbeitsplätze in den Kliniken. Bereits heute werden Tariferhöhungen nicht mehr vollständig refinanziert. Ohne zusätzliche Unterstützung könnten Kliniken bundesweit in diesem Jahr Schwierigkeiten haben, tarifvertraglich vereinbarte Lohnsteigerungen vollständig zu finanzieren.